Factoring in Deutschland

Wie sieht der Markt für Factoring-Dienstleistungen in Deutschland aus?


Spricht man von Factoring, so ist eine Form der Firmenfinanzierung gemeint, die ihren eigentlichen Ursprung in den USA hat. Hierbei werden Geldforderungen aus Waren- oder Dienstleistungsgeschäften an ein so genanntes Factoringunternehmen gegen sofortige Kaufpreiszahlung verkauft. Mit dem Rückhalt Factoring bleibt ein Unternehmen auch im Falle ausbleibender Kundenzahlungen liquide und muss nicht gleich um seine Bonität bangen. Die Finanzierungsalternative Factoring wird für immer mehr mittelständische und kleine Unternehmen interessant.

Vergleichbar mit dem Factoring ist der Forderungsverkauf. Im Gegensatz dazu werden hier aber Geldforderungen an ein entsprechendes Dienstleistungsunternehmen verkauft, wenn bereits Zahlungsverzug oder Titulierung ansteht.

Wie wird Factoring in Deutschland praktiziert?

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© PantherMedia/ Manuel Schäfer

Factoring wird in unterschiedlichen Varianten betrieben. Dabei unterscheidet man grob zwischen “Factoring nach Leistungsumfang”, “Factoring nach Typ Forderungsabtretung” und verschiedene Sonderformen des Factorings. In Deutschland wird in der Regel das “Factoring nach Leistungsumfang”, und dabei das so genannte “echte Factoring” betrieben.


Beim “echten Factoring” übernimmt das Factoring-Dienstleistungsunternehmen das Risiko für die Zahlungsfähigkeit des Schuldners. Hierbei werden natürlich nicht auf regelmäßige Bonitätsprüfungen und Factoring-Limits, also Ankaufsgrenzen im Rahmen der Zahlungsfähigkeit des Schuldners, verzichtet. Diese sind vertraglich zwischen dem verkaufenden Unternehmen und dem ankaufenden Factoring-Dienstleister geregelt und bemessen sich nach dem Bonitätsranking des Schuldners.

Wie gestaltet sich der Factoring-Markt in Deutschland?

Factoring und Forderungsverkauf sind in Deutschland bereits seit etwa 40 Jahren bekannt. Diese Form der relativ schnellen Mittelbeschaffung wird von Unternehmen jedoch erst in den letzten 10 Jahren intensiver genutzt. Wirtschaftliche Probleme, schlechte Zahlungsmoral der Schuldner und häufigere Auftragsvorfinanzierungen lassen gerade klein- und mittelständische Unternehmen zum Factoring und Forderungsverkauf greifen.

Zurzeit sind im Bundesverband Factoring für Mittelständler (BFM) und im Deutschen Factoring Verband e.V. etwa 28 Factoring-Dienstleistungsunternehmen eingetragen. Darüber hinaus tummeln sich noch etliche nicht verbandsangehörige Unternehmen auf dem deutschen Markt. Auch viele Inkassounternehmen erweiterten ihr übliches Leistungsprogramm um den Forderungsankauf.

Die Inanspruchnahme dieser Dienstleistung, gerade durch mittelständische Unternehmen, wächst beständig. Dabei macht nicht nur das eigentliche Factoring einen großen Teil des Marktes aus, sondern vor allem auch der Forderungsverkauf. Aufgrund bereits benannter schlechter Zahlungsmoral, aber auch hoher Insolvenzraten, dienen Factoring und Forderungsverkauf nun zur Finanzplanung vieler Unternehmen.

Schnelles Geld für Klein- und Mittelständler durch Factoring?

Grundsätzlich: ja. Doch auch hier gilt es für das jeweilige Unternehmen abzuwägen, inwiefern Factoring oder Forderungsverkauf wirklich lohnenswert sind.
Als Basis, um überhaupt am Factoring teilnehmen zu können, dürfen keine Forderungsabtretungen oder andere Rechte Dritter an das Unternehmen bestehen.

Für Firmen mit vornehmlich gewerblichen Kunden und Rechnungshöhen von mindestens ca. 250,00 Euro / Rechnung, die das Zahlungsziel 90 Tage nicht überschreiten, bei denen die Gegenleistung der Rechnung bereits vollständig erbracht wurde und die nach Möglichkeit frei von Gegenforderungen sind, ist das Factoring besonders geeignet. Doch von Fall zu Fall muss individuell entschieden werden und so empfiehlt es sich immer, eine entsprechende Anfrage für das jeweilige Unternehmen zu erstellen.

Das Finanzierungsmodell Factoring ist unter Umständen auch eine gute Vorgehensweise für neu gegründete Unternehmen. Gerade Existenzgründer können z.B. von Banken oder Venture Kapitalgeber schon mal danach gefragt werden, mit welcher Taktik man in Zukunft kurzfristigeren Zahlungsverzögerungen begegnet. Ähnlich sieht es aus, wenn sich das Unternehmen bereits etabliert hat, für das weitere Wachstum aber mehr Kapital notwendig ist.

Finanzkrise und Factoring

Die Factoring-Branche profitiert von der derzeitigen Finanzkrise. Klein- und mittelständische Unternehmen haben es schwerer an Bankkredite zu kommen und so bieten Factoring und Forderungsverkäufe die Alternative, Firmen liquide zu halten und Finanztiefen zu überwinden, in dem Forderungen gleich zu Bargeld gemacht werden können.
Vor allem Unternehmen, deren Bonität selbst gerade hart an der Grenze steht, können sich so wieder ins finanziell rechte Licht rücken. Steht eine Firma dank Factoring wieder finanziell gut da, so sind auch die Banken in der Regel wieder bereit, über Kredite und Kreditrahmen neu zu verhandeln.

Factoring – pro & kontra

Die Vorteile auf einen Blick:

  • kurzfristige Freisetzung von Geldmitteln über längeren Zeitraum
  • Kosten- und Zeitersparnis, da alle anfallenden Arbeiten des Forderungsmanagements an den Factoring-Dienstleister gehen
  • Übertragung des Kreditrisikos aus Leistungen und Lieferungen an den Factoring-Dienstleister
  • Verbesserung des Bilanzratings und verhilft so wieder u.U. zu langfristigen, benötigten Bankkrediten

Die Nachteile auf einen Blick:

  • Forderungen werden nur im Abnehmerlimit angekauft
  • eine Factoringgebühr fällt an, die der Ersparnis aus Boni, Skonti etc. gegenübergestellt werden muss
  • eignet sich nicht für langfristige Investitionen, dient ausschließlich zur Finanzierung des Umsatzes


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